Fraktionsvotum Postulat Sexualisierte Gewalt
Sehr geehrte Frau Präsidentin
Lieber Stadtrat
Geschätzte Anwesende
Ich spreche für die SP-JUSO-Fraktion zum Postulat von Christian Ranft.
Wir unterstützen diesen Vorstoss und halten die Forderung nach einer Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagne für dringend notwendig.
Wir haben bereits ein Zahlen, Fakten und Statistiken gehört und ich denke sie sprechen eine deutliche Sprache, der Handlungsbedarf ist enorm.
Ich möchte im Folgenden noch auf zwei Punkte eingehen.
Erstens hat es mich überrascht, dass der Bereich Bildung und die Schule in der Stellungnahme des Stadtrates mit keinem Wort erwähnt wird. Es wird nicht gesagt, was die Schule heute aufklärungstechnisch leistet, inwiefern Sensibilisierung schon stattfindet oder was denn getan werden könnte. Denn meiner Auffassung nach, wenn es um Aufklärung geht, dann ist die Schule doch einer der zentralen Orte, wo diese passieren soll, speziell bei einer solchen, gesamtgesellschaftlichen Problem.
Man könnte nun hier sagen, das Postulat fordert eine öffentliche Kampagne, die Schule hat schlicht nichts damit zu tun und diese Auslegung wäre auch sicherlich berechtigt, trotzdem denke ich, es ist bezeichnend dafür, wie in Vergangenheit und heute mit sexualisierter Gewalt umgegangen wurde und weiterhin wird und weshalb eine solche Kampagne dringend nötig ist.
Kleines konkretes Beispiel: Ich bin bis vor 5 Jahren selbst noch an den städtischen Schulen zur Schule gegangen und habe weder in der Primar- noch in der Sekundarschule in keinem Moment ernsthaft über Victim blaming, sexualisierte Gewalt gesprochen oder Geschlechterrollen und Männlichkeit kritisch hinterfragt und es ist nicht so als wäre damit das Problem nicht da, im Gegenteil. Ich war mit 14 Jahren und noch heute in der privilegierten Position eines Jungen, der sexualisierte Gewalt nicht direkt erfährt und war mir der Thematik somit auch null bewusst, ja wie hätte ich Übergriffiges Verhalten erkennen sollen und sensibel darauf reagieren können geschweige denn mein eigenes Verhalten kritisch hinterfragen. Und ganz ehrlich, ich gehe schwer davon aus, dass es zumindest den meisten Männern hier drin mit 13, 14 Jahren gleich ging. Weshalb ich das erwähne; der erste Schritt zu einer echten Auseinandersetzung mit einem Problem ist, ein Bewusstsein für eine Problematik zu schaffen, zum Beispiel mit einer Aufklärungskampagne.
Als zweiter Punkt möchte ich noch über die verschiedenen ehrenamtlichen Aktionen und Initiativen, die vor allem im Zusammenhang mit den Vorfällen des vergangenen Jahres entstanden sind, eingehen. Das Kollektiv Gerechtigkeit, der Taxidienst GetHomeSafe oder auch die Männer gegen Gewalt an Frauen sind alle durch Menschen entstanden, die sich freiwillig und aus einer Art gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein für eine Gerechte und Solidarische Stadt einsetzen. Ich persönlich kann sagen, dass ich sehr dankbar dafür bin, in einer Stadt leben zu dürfen in der es diese Menschen gibt.
Und wenn der Stadtrat sagt, die Stadt verfüge über keine Fachpersonen und so sei eine Sensibilisierungskampagne nicht machbar, dann muss ich einfach sagen, diese Menschen und da gibt es natürlich noch viele weitere, die sich engagieren, das sind meist auch keine Fachleute und trotzdem leisten sie wichtige Arbeit für unsere Gesellschaft. Das ist Arbeit, die heute bereits geleistet wird und die für eine Aufklärungskampagne doch perfekt genutzt werden kann womit übrigens die Arbeit dieser Menschen endlich auch diese Anerkennung bekäme die sie verdient.
Denn und damit komme ich zum Schluss, ein solches Postulat und das Überweisen dieses Postulat ist in erster Linie ein Signal, ein Signal dafür, dass wir nicht länger wegschauen, Probleme benennen wollen und uns mit Überlebenden solidarisieren. Also lasst uns diesem Vorstoss zustimmen und zusammen dieses wichtige Signal senden.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit